35 Jahre Freiheit der Kunst

35 Jahre Freiheit der Kunst

03.04.2017 - 19:00 Diskussion

35 Jahre Freiheit der Kunst
Podiumsdiskussion im Ateliertheater

Mit: Ewa Dziedzic, Monika Piorkowska, Angela Stief, Marika Schmiedt, Wolfgang Zinggl, Lukas Pusch
Moderation: Talita Simek
Eintritt frei!

Die Rolle der Kunst liegt darin, den sozial-politischen Geschehnissen und der darin verwickelten Gesellschaft ein autonomer Spiegel zu sein. Kunst kann die Welt nicht heilen, doch sie kann die komplexen Probleme unserer Zeit abstrakt einfangen und zur Schau stellen. Kunst kann und muss oft verstörend sein, damit sie einen Dialog auslöst, vor allem in Zeiten der zunehmenden Desensibilisierung einer Konsumgesellschaft. Einer scheinbar offenen Gesellschaft, in der die einzig verbliebenen Tabus noch immer Politik, Religion und Sex zu sein scheinen. Getrennt voneinander – ja; zusammengesetzt ist heftige Kritik und allgemeine Empörung die Folge. Eine Ausstellungsabsage oder ein Veröffentlichungsverbot sind klare Zensur. Aber auch die Möglichkeit staatliche Förderungen zu verlieren ist ein großes Druckmittel, das unter Umständen zu Selbstzensur führt. In der öffentlichen Debatte rund um die Empfindlichkeitsgrenzen der Allgemeinheit wird oft die Tatsache, dass KünstlerIn nicht gleich Kunstwerk ist, außer Acht gelassen. Doch nicht die KünstlerInnen haben diese skurrile Welt geschaffen. KünstlerInnen gehören zu den sensibelsten und meist zu den sozial schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft. Sie und ihre autonome Meinung müssen geschützt werden!

Am 12.Mai 1982 wurde die uneingeschränkte Freiheit der Kunst in die Österreichische Bundesverfassung aufgenommen. Seit damals sind immer wieder prominente und weniger bekannte Fälle von staatlicher Zensur aufgetreten, die beweisen, dass die „uneingeschränkte Freiheit“ leider nur Theorie ist und in der Praxis viele verschiedene Gesetze, Verordnungen und Erlässe das Gegenteil beweisen.
Am Beispiel der Ausstellungsabsage TIME GATES des Polnischen Instituts gegenüber der Künstlerin Monika Piorkowska, sowie der nach einem regierungskritischen Artikel aufgelösten Zusammenarbeit mit Martin Pollack im Vorjahr, eröffnen wir den ersten Teil der Diskussion.
Welchen Einfluss hat Österreich, wenn es um ausländische Zensur innerhalb der österreichischen Grenzen geht? Ist es leichter, das eigene Land und dessen politisches System im Ausland einer künstlerischen Kritik zu unterziehen?
Im zweiten Teil erörtern wir die Fragen, wie die jeweiligen europäischen Staaten mit kritischen KünstlerInnen umgehen, wieviel Zensur in der Förderungspolitik ausgeübt wird und ob eine uneingeschränkte Freiheit der Kunst überhaupt möglich ist?